Nichts, außer einem Käfig
Ich ziehe an meiner Zigarette, puste den Rauch zum Fenster hin. Man sieht ihn untergehen im Regen, der auf die Blätter und auf die Straße prasselt. Es regnet schon seit ein paar Tagen, wieso auch nicht, der Sommer ist vorbei und jetzt beginnt die triste Zeit. Ich zögere und denke daran, mir wieder die gierigen Kalorien zu mir zu führen, welche schon im Schrank auf mich warten. Sie liegen im Dunkeln, sicher vor dem Tier. Ich überlege, ob ich nicht einfach alles wegwerfen sollte, doch werfe den Gedanken schnell weg, wie ich die Kalorien wegschmeißen sollte. Im Endeffekt macht es keinen Unterschied, ob ich es wegschmeiße oder in die Kanalisation schicke - doch einen. Ich kann den Geschmack nochmal auskosten, welchen ich so sehr ersehne. Jeden Tag aufs Neue muss ich meinen Drang befriedigen. Es geht nicht anders. Ich werde nervös und lasse mein Feuer hinaus. Ich verbrenne meine Umwelt, mit meinem Verhalten und schade jedem. Ich hab mich nicht im Griff, in jeder Hinsicht.
Dazu kommt noch meine Nervösität bezüglich morgen. Werde ich die Stelle endlich kriegen und dem Leerlauf somit ein Ende setzen? Endlich mal einen Alltag, endlich was zu tun, endlich... Ach ich sollte mir nichts vor machen. Es wird immer so weiter laufen, egal ob ich arbeiten werde oder nicht. Ich finde immer einen Zeitpunkt und eine Möglichkeit den Käfig zu öffnen und die Kreatur hinaus zu lassen. Auch wenn andere gerne den Schlüssel wegschmeißen wollen, habe ich ihn immer versteckt, sodass ihn niemand finden kann. Auch versuchen sie sich vor den Käfig zu stellen und die Tür mit aller Gewalt zu zu halten, jedoch fährt eine Klaue zwischen den Gittern hervor und lassen ab. Wahrscheinlich versuchen sie es irgendwann garnicht mehr und lassen die Tür gleich offen stehen, dass es raus und rein kan, wie es gerne möchte. Die Klaue hinterlässt jedes Mal tiefe Wunden, also ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie lernen, dass es keinen Zweck hat. Sie haben es auch schon mit Reden versucht, doch das Höllentier konnte sie nicht verstehen oder wollte sie nicht verstehen.
Doch manchmal, zu gewisser Zeit hält das Tier seine Krallen an das Schloss und lässt die Tür nicht aufgehen. Dann sitzt es nur hungrig und möchte nichts tun, außer sitzen und in die Leere starren. Emotionslos und starr, wie eine Wasserspeierstatue auf Türmen. Irgendwann fängt es sich wieder und öffnet seinen Käfig nur einen Spalt und schaut hinaus, auf der Lauer zu einem nächsten Angriff.
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