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Mittwoch, 21. Mai 2014

the.monster.in.the.cage

Und wieder war er da

Ich merkte es erst garnicht. Er regte sich. Mit einem Mal gingen seine Augen auf. Mit bedachtem, aber müden Blick sah er sich um. Niemand scheint da zu sein und niemand würde aufpassen. Er schleppte sich auf die Vorderbeine und mit schwing schwang er sein Gesäß hoch. Seine Flügel streckte er und sie schauten zwischen den Gitterstäben raus. Da merkte ich ein leichtes Kribbeln, etwas war im Gang, doch ich war mir nicht sicher was es sein würde. Ich knisterte mit der Packung und schon hatte ich den nächsten Keks in der Hand, den ich mir genüsslich zwischen die Zähne schob. Er blickte mich durch die Gitterstäbe hin an. Ich sah kurz hin und beschloss, ihn zu ignorieren. Wieso sollte ich ihn für so ein bisschen hinaus lassen? Er krazte sich am Ohr und guckte mich mit fester Miene an, doch ich wollte standhaft bleiben und ich sollte es auch.
Und noch ein Keks fand seinen Weg, bald würde er einen anderen einschlagen, doch das ahnte ich nicht. 
Leise zückte er die Krallen und schob sie aus seinem Käfig richtung Schloss. Ich vernahm nichts und stopfte mich weiter voll. Mit einem Mal kam ein Klack und die Tür war ein Spalt breit auf. Nur ein wenig. Er wusste, er könnte hinaus. Doch wollte er es wirklich? Ja, wollte er. 
Er stieß die Tür auf und stürzte sich auf mich. Wie von selbst wanderte ein Keks nach dem anderen in meinen Mund.
Wie selbstverständlich schlich ich durch die Wohnung, wie er es jetzt um mich herum tat, um auf Essenssuche zu gehen.

Er knurrte, ich konnte mich nicht wehren. Er war stärker und mächtiger als ich. Lange hatte ich ihn unterdrücken können, lange konnte ich mich gegen ihn durchsetzen, doch heute war ich zu schwach, zu verletzlich, zu gestört. 

Der Geschmack ist bitter und hält sich noch in meinem Mund. Der Rauch meiner Zigarette kann ihn nicht überdecken. "So intensiv hatte ich ihn nicht mehr in Erinnerung", dachte ich mir. Dennoch fühlte ich mich erleichtert und irgendwie glücklich. Der Rauch verflüchtigt sich aus dem Fenster und geht langsam eine Verschmelzung mit der Luft ein. Man sieht ihn nicht mehr. So wie ich ihn, das Höllentier, nicht mehr sah. Und doch ist er immernoch da.. Und wieder war er da.

Mittwoch, 15. Januar 2014

love.or.not

Ist das Liebe?

Die Tage überlege ich, was Liebe ist oder viel mehr, was man lieben kann? Man kann natürlich seine Familie, seine Freunde, seine Tiere lieben. Dieses wohlige Gefühl, wenn man an die Person denkt und das Feuer, dass sich im Herz entfacht, wenn man mit seinen Liebsten zusammen ist. Auch liebt man Essen, Tage und Serien. Es ist eine Floskel, die man so daher sagt und manchmal wohl doch so meint.

Zu allererst schleicht sie sich vom Hintergrund an und erfasst dich am Herz, umschlingt deine Seele und füllt dich mit Wärme. Du siehst, was du liebst und weißt, dass du es liebst. Doch kann man etwas lieben, was irgendwie nicht da ist? Was keine Person, kein Tier und nichts materielles ist. Nichts, was man anfassen oder riechen kann. Nichts, was mit die kommuniziert oder dir etwas zeigt. Kann man etwas lieben, was einen zerstört und einem die Lebenslust raubt? Sie hat sich angeschlichen, vom Hintergrund, hat mich an einem Herz erfasst und meine Seele fest umschlungen. Doch sie füllt mich nicht mit Wärme. Sondern mit loderner Hitze. Ein Feuer, welches mich von innen heraus verbrennt. Man sollte meinen, ich neige zur Selbstgeißelung, dass ich sowas lieben kann, doch es stimmt. Sie hält mein Herz fest und schützt meine Seele. Das Feuer lässt mich aufatmen und füllt mich aus, dass ich nicht einfalle. Durch sie bin ich jemand, durch sie kann ich mich definieren, durch sie habe ich ein Ziel. Das Feuer lodern lassen, dass es nie erlischt.  Du kannst etwas und das kannst du gut und das verdankst du einzig und allein deiner Liebe. Deiner hemmungslosen Liebe zu ihr. Die Liebe, die dich fliegen lässt. Die, die dich nie fallen lässt. Die Liebe, durch die du nie allein bist. Immer hast du die an deiner Seite, die du liebst. Du knickst ein und sie baut dich auf.

Kann man etwas hassen, was man liebt? Kann man etwas so sehr hassen, dass man es sich am liebsten ausreißen möchte? Du möchtest dein Herz aus dir heraus reißen, dass sie dich endlich loslässt. Du willst deine Seele befreien und innerlich windest du dich gegen den Druck. Du kannst durch die Hitze nur schwer atmen und willst sie auslöschen. Du liebst es, doch du hasst es. Du hasst das, was du liebst und das zerstört dich. Du fliegst durch sie, doch wohin? Du hasst es, dass du die Richtung nicht kennst. Sie ist unberechenbar und unbrechbar. 

Ich klammere an ihr und sie an mir. Ich kann sie nicht los lassen, weil sie sich bei mir wohlfühlt. Ich gebe ihr Wärme und sie brennt mich von innen aus. Sie ist meine Liebe; doch ist das Liebe?

Samstag, 11. Januar 2014

away

Schwerelos - Für kurze Zeit


Ich sitze an meinem Schreibtisch und lerne. Ich bin allein. Die nächste Klausur ist Ende Januar. Konzentration schwindet und fliegt mir wieder zu. Ich beobachte meinen Kater, wie er einen Hausschuh von mir jagt. Ich belächle das. Mein Blick richtet sich auf das, was ich lernen möchte. Er kommt mauzend und schnurrend angesprungen und macht es sich auf meinen fetten Schenkeln bequem. Geistesabwesend streichle ich ihn. Meine Gedanken schwinden zu einer Freundin. "Ich pass auf mich auf ", "Ich werde nur etwas weniger essen" waren ihre Worte. Doch ich traue mich nicht, ihr zu schreiben, dass sie die Finger von der Scheiße lassen soll. "Ich hab mich mal ein wenig über Magersucht und Essstörungen informiert" teilte sie mir mit. Ich bringe es immernoch nicht übers Herz, es wird so bevormundend und besserwisserisch klingen, wenn ich ihr sage, dass die Scheiße Leben zerstört und dich nicht mehr glücklich sein lässt. Es beeinflusst dich in jeder Hinsicht. Es kriecht in deine Gedanken, unter deine Haut, in jede deiner Bewegungen. Du kannst nichts sehen und anfassen, ohne dich daran zu erinnern und daran zu denken. Kalorien für Kalorien liegt im Kühlschrank und nicht etwa der Joghurt neben dem Käse. Es umhüllt dich, wie ein schwarzer Schleier. Es verleiht dir Flügel, wie einem Dämon. Du denkst du kannst fliegen, doch dabei stürzt du nur weiter in den Abgrund, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht. Deine Wünsche werden absurder und du wirst kranker und in dich gekehrter. Freude ist ein Fremdwort, Spaß sein Begleiter. Die Waage wird dein bester Freund und Feind. Nie wieder kriegst du es los. Die Flügel brennen und fleischen sich ein und der Schleier drückt dir jegliche Luft zum atmen ab. 

Ich bin noch lange nicht fertig damit, obwohl ich sie verdamme, bis ins tiefste. Doch ich liebe sie. Ich liebe sie über alles, sie gibt mir Kraft, Halt und ein Ziel, was groß genug ist, woran ich mich orientieren kann. Hungern, Kotzen, Hungern, Fressen, Hungern, Kotzen. Alltäglich, allgegenwärtig. Ich kann nicht ohne sie, ich kann auch nicht mit ihr, aber dennoch mehr mit als ohne.

Sie verlieh mir Flügel, ich war schwerelos, für kurze Zeit.