Seiten

Freitag, 5. Februar 2016

still.hungry

Es ist so paradox.
Je mehr ich hin mich hinein schlinge, desto hungriger werde ich.
Hungrig nach Liebe und Geborgenheit.
Hungrig nach einem Leben vor der Bulimie.
Hungrig nach einem besseren Leben und weniger Leben.
Ich will nicht den Pudding, die Schokolade oder den Muffin auskosten.
Nein, ich möchte vom wahren Leben kosten.
Das Leben, das nach Freiheit und Sehnsucht schmeckt.
Das Leben, das nach Liebe und Gesundheit schmeckt.

Der Geschmack des Lebens ist das kostbarste, was man hat.
Doch ich vergeude es mit dem Geschmack von Magensäure.

Das, was ich fresse, frisst mich auf.
Es verschlingt mich gierig.
Ich merke, wie ich zersetzt werde von der Säure des wahren Lebens.
Die, der Dunkelheit und der Verletzbarkeit.
Alles, was man möchte ist leben.

"Wieso tust du es nicht?"
"Du musst doch nur aufhören zu kotzen."
"Iss doch einfach nur normal und gesund"

Immer dieses "nur".
Es hallt nach.
Es ist nicht einfach nur ein "nur".
Sag der Magersüchtigen, sie braucht "nur" essen.
Sag der Bulimischen, sie muss "nur" aufhören zu brechen.
Sag der Esssüchtigen, sie muss "nur" aufhören zu essen.
Sag der Ritzerin, sie muss "nur" aufhören sich zu ritzen.

Es gibt so viele "nur"s.
Jeder wird die gleiche Antwort geben.
"Es ist nicht einfach damit aufzuhören, es ist ein Zwang, es ist eine Sucht."
Ja, ein Zwang und eine Sucht, die das Leben verdunkelt.
Jeder, der sich so eine Scheiße angelacht hat weiß, dass man nicht einfach so aufhören kann.

Ich selbst kann noch nicht einmal sagen, was mich dazu bewegt.
Was mich antreibt, was es auslöst.
Vermutlich die Einsamkeit, die Verletzlichkeit, die Angst zu versagen.
Dabei begebe ich mich selbst in Einsamkeit und versage mit jedem Bissen.

Es ist nie einfach und es hält einen fest.
Wie ein Schatten folgt es dir.
Es ist jede Bewegung, jedes ausgesprochene Wort.
Jede Träne, Freudenschrei oder Wutausbruch.

Es ist Ich und ich bin es.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen